Wenn CEOs zu Influencern werden – ein Erlebnisbericht

Wenn ich ehrlich bin, wollte ich diesen Artikel gar nicht schreiben – aber nachdem ich heute der 3. Person in wenigen Tagen von einer kürzlich erlebten Situation erzählte, konnte ich nicht mehr anders. Also, wo fange ich an...

Das Setting

In Düsseldorf – der schönsten Stadt am Rhein – bin ich Teil des Orga-Teams von 12min.me, einem gemeinnützigen Verein. Wir sind mit knapp 50.000 Mitgliedern, 39 aktiven Städten in 6 Ländern Deutschlands größtes Meetup und schaffen in Form von regelmäßigen Abendveranstaltungen eine kostenlose Plattform, um zu bilden und unkompliziert zu vernetzen. Da wir keine Lust auf Laberveranstaltungen haben, müssen unsere Speaker in jeweils exakt 12 Minuten versuchen, die Zuschauer für ein Thema zu begeistern. Mit Visitenkarten um sich schmeißen kann man woanders. Bei uns stehen der Inhalt, ein gnadenloser Countdown und ein gutes Glas Grauburgunder im Fokus.

Bei unserem letzten Event haben wir uns etwas einfallen lassen, wie wir unsere knapp 50 Besucher untereinander schneller ins Gespräch bringen können. Anstatt des eigenen Namens sollte jeder sein Vorbild aufschreiben und an die Brust kleben: Andy Warhol, Pipi Langstrumpf, Tony Robbins, Simon Sinek, Myself, mein Sohn Karl usw. – das hat nicht nur hervorragend funktioniert, sondern eins dieser Namensschilder ist auch der Grund für diesen Artikel…

Das Vorbild

Eine Besucherin hatte „Tina Müller – CEO Douglas“ auf ihr Schildchen geschrieben. Irgendwie fiel das aus dem Rahmen. In einer Pause wollte ich herausfinden, wie „Deutschlands härteste Managerin“ (Manager Magazin, 3/19) auf ihrem Namensschild gelandet ist.

Ich: „Hey, cool, dass du da bist – Tina Müller? Wie kommt es?“

Sie (mit stolzer Stimme): „Ich verfolge online, was sie macht. Sie ist meinungsstark, das finde ich richtig gut!“

Ich: „Ja, das wird sehr professionell gemanagt bei ihr.“

Sie: „Absolut, aber sie reagiert auch selbst und ihre Persönlichkeit wird deutlich. Mittlerweile denke ich ganz anders über Douglas.“

What?! Sie denkt jetzt anders über Douglas? Vielleicht bin ich leicht zu beeindrucken, aber das fand ich krass! Niemand hätte „Douglas“ auf sein Schildchen gekritzelt. Aber seit die Geschäfte des Marktführers von einer sichtbaren, erreichbaren und meinungsstarken Person geführt werden, der mittlerweile fast 50.000 Menschen auf Twitter und LinkedIn folgen, wird aus einer potentiellen Kundin plötzlich eine enthusiastische Botschafterin. Ist es da ein Zufall, dass Douglas zwei Jahre nach Amtsantritt der neuen CEO und LinkedIn Top Voice 2018 bereits das vierte Quartal in Folge steigende Umsätze vermeldet? (Handelsblatt 29.8.2019)

Das Learning

Natürlich hat solch ein Erfolg viele Namen. Aber seit ich mich als Unternehmensberater mit einem Influencer zusammengetan habe, um Unternehmen auch dabei zu helfen, Social Recruiting nicht nur zu wollen, sondern auch zu können, fällt mir eins besonders auf: Unternehmen und ihre Entscheider können von Influencern lernen, was es heißt,

  1. originell zu sein und auf sich aufmerksam zu machen,
  2. einen Social-Media-Kanal zu verstehen, um durch die Interaktion mit ihrer Zielgruppe eine Community aufzubauen,
  3. und sich die Zeit zu nehmen und die Mühe zu machen, regelmäßig ansprechenden Content zu kreieren.

Leider verstecken sich viel zu viele Unternehmen hinter ihren Gebäuden, Produkten und Zahlen. Das Problem: Gebäude haben keine Meinung, Produkte keinen Humor und Zahlen kein Gesicht – das kann alles kein Vorbild sein. „Tina Müller – CEO Douglas“ stand auf dem Namensschild unserer Besucherin – mit wie viel Personen sie sich wohl auf unserem Event darüber unterhalten hat?! Mich hat das zumindest so beinfluenced, dass ich gerade darüber schreibe und du dies gerade gelesen hast…

 

PS: Man sagt, dass der CEO etwa 25% des Firmenwerts verkörpert. Was meinst du: Ist das zu hoch oder zu niedrig gegriffen? Was ist deine Meinung zu CEOs alias Influencern? Hier kannst du deine Meinung auf LinkedIn mit mir teilen…

PPS: Und hier geht es zur nächsten 12min-Veranstaltung in Düsseldorf…

Dr. Aaron Brückner