Was wir von Usain Bolt lernen können

15.02.2018  • Blog • 

Achtfacher Olympiasieger, elfmaliger Weltmeister, Weltrekordhalter: Usain Bolt ist der größte Sprinter aller Zeiten. was können wir außer Sprinten und Selbstinszenierung vom Jamaikaner lernen?

Berufsplanung bei Dorade und Roulade

Ortswechsel: Gemeinsam mit einer Bekannten saß ich beim Abendessen in Düsseldorf. Sie probierte die Dorade und ich nach vielen Jahren noch einmal Roulade. Die Unterhaltung drehte sich um ihren bevorstehenden Studienabschluss und die anschließende Jobsuche. Sie schilderte aufgeregt, welche Unternehmen sie spannend finde, welcher Arbeitsbereich sie herausfordern und welche Standorte sie bevorzugen würde.

Ich war neugierig geworden. Nach einer Weile fragte ich sie: „Was kannst du denn?“ Elegant vermied sie eine klare Antwort. Stattdessen erzählte sie von Stellenausschreibungen, auf die sie sich beworben hatte. Nach ein paar Minuten wiederholte ich mein Anliegen: „Das klingt ja alles super, aber worin bist du denn gut?“

Was die Griechen schon lange wissen

Jeder Mensch geht den Pfad seines Lebens auf eigene Art und Weise – nur so können bunte Biografien entstehen. Gleichwohl gibt es Muster von erfolgreichen Persönlichkeiten, an denen wir uns bei der Gestaltung unseres Lebens orientieren können. Eins dieser Muster lautet in meinen Worten: Sei dir bewusst, was du kannst und was du nicht kannst – nutze dies als magnetischen Nordpol bei Entscheidungen rund um die berufliche Perspektive. Schon die zeitlose Inschrift des Tempels in Delphi forderte zur Selbsterkenntnis auf. Die Voraussetzung ist, dass wir einen ehrlichen Blick auf unsere Fähigkeiten und Defizite werfen. Also: Was kann ich? Worin bin ich gut?

Meine Bekannte entgegnete schließlich, dass „gut organisieren“ und „mit Zahlen umgehen“ zu ihren Stärken zählen. Damit hatte sie vorerst meine Frage beantwortet, aber nicht meine Neugier gestillt. Meine Befürchtung war, dass es dieser oberflächlichen Antwort an Praktikabilität mangelt – denn, was bedeutet „gut organisieren“ und „mit Zahlen umgehen“ konkret?

Die 60 Meter Marke

Sich als „Organisationstalent“ zu beschreiben ist so, wie wenn Usain Bolt behaupten würde, er sei ein schneller Läufer. Usain Bolt ist kein schneller Läufer, sondern ein Sprinter – auf die Distanz von 5km würde er ohne explizites Training elendig versagen. Sprinten ist auch nicht gleich Sprinten, denn alle Distanzen unter 400m gelten als Sprintdistanz. Auf der 100m Strecke fühlt sich Bolt am wohlsten. Und noch konkreter: Bolt ist nach eigener Aussage ein langsamer Starter, aber ab Meter 60 ist er auf 100 Metern unschlagbar.

Was ich damit sagen möchte? Sein Organisationstalent zu erkennen, ist gut, aber wenig hilfreich, wenn es konkret wird. Gerade bei der beruflichen Planung macht es einen Unterschied, ob ich eine Firma, eine Feier oder eine Familie organisiere.

Was ich daraus lerne

Auf seiner Paradedisziplin der 100 Meter weiß Usain Bolt um seine Stärken und Schwächen. Training, Taktik und Tempo richten sich danach aus. Obwohl ich keine Olympiateilnahme anvisiere, sagt mir meine Intuition, dass auch meine berufliche Laufbahn von einer konkreteren Selbsterkenntnis profitiert. Wenn ich weiß, was ich kann, worin ich unschlagbar bin und in welchem Umfeld sich dies am besten entfalten lässt, lege ich die Grundlage für eine berufliche Perspektive, bei der ich mir selbst treu bleibe. Anschließend kann ich mich mit spannenden Stellenprofilen, Arbeitsbereichen und Standorten gezielt auseinandersetzen und die beste Entscheidung für meine berufliche Zukunft treffen.

Die Innschrift des Tempels  von Delphi als Reflexionsfragen formuliert:

  1. Was sind meine Stärken und Schwächen jeweils in 3 Sätzen beschrieben?
  2. Was ist meine 60 Meter Marke – also worin bin ich unschlagbar?
    Kritische Rückfrage: Kann ich das wirklich gut oder würde ich das gerne gut können?
  3. Was für ein Umfeld benötige ich, damit sich mehr von meinen Stärken entfalten können und meine Schwächen weniger ins Gewicht fallen? Also: Wo, wie und mit wem arbeite ich?
Dr. Aaron Brückner