Was wir vom Mr. DAX über das Glück lernen können

22.03.2019  • Blog • 

Viele Menschen sind der Meinung, dass Dirk Müller seine Karriere nur einem glücklichen Zufall zu verdanken hat – er widerspricht nicht. Er betont aber, dass es nicht nur auf Glück ankommt. Einfach Glück zu haben, reicht nicht aus...

Rhetorik und Wahrheit – so hieß ein Seminar, an dem ich im Zuge meines Bachelor-Studiums im Jahr 2010 teilnehmen durfte. Wir lernten den Hintergrund und die Anwendung von Sprechformen, wie der Debatte, der Manipulation oder der freien Rede kennen. Ich erinnere mich noch gut daran, dass mein Professor im Kontext der freien Rede einen gewissen Mr. DAX als positives und vor allem rhetorisch talentiertes Beispiel anführte. Ich hatte keine Ahnung, wer das sein soll. Wer nennt sich bitte schön Mr. DAX?! Schon wenige Tage nach dem Seminar war ich schlauer…

Neun Jahre später durfte ich mit Dirk Müller in meinem Podcast über seine Vita und Lebensphilosophie sprechen. Vor Kurzem trafen wir uns in Köln und ich versuchte herauszufinden, wie er zu der Person geworden ist, die er heute ist. An dieser Stelle möchte ich dir einen Impuls mit auf den Weg geben, der mir durch das Gespräch bewusst geworden ist. Vielleicht kannst du auch etwas damit anfangen.

Vom Börsenmakler zum Mr. DAX

Nachdem ihn der Film „Wallstreet“ inspiriert hatte, verfolgte Dirk Müller bereits früh in seinem Leben nur ein Ziel: die Frankfurter Börse! Als er nach der Ausbildung zum Bankkaufmann dieses Ziel schließlich erreicht hatte, eignete er sich über viele Jahre das Handwerkszeug eines amtlich vereidigten Börsenmaklers an. Dieser Tätigkeit ging er nach, bis ihm das Schicksal oder der Zufall – wie auch immer wir die Irrungen und Wirrungen unserer Lebenslinien nennen wollen – einen Schubs gab.

Müllers Arbeitsplatz befand sich unterhalb der DAX-Kurstafel. Das hatte zur Folge, dass Journalisten sein Konterfei nutzen, um den Kursverlauf auf Fotos zu personifizieren. Wenn der Kurs abrauschte und sich Müller an den Kopf fasste? Klick! Wenn die Börse positiv auf den Rücktritt des Bundesfinanzministers reagierte und Müller fröhlich ausschaute? Klick. Plötzlich erschien sein Gesicht auf den Titelseiten renommierter Tageszeitungen und aus einem unbekannten Börsenmakler wurde der Mr. DAX. Er ist sich sicher: „Das kannst du nicht planen. Das passiert einfach.“

Glück haben und Gaben nutzen

Nun gut. Glück gehabt. Aber was sollen wir daraus lernen? Viele Menschen sind der Meinung, dass Dirk Müller seine Karriere nur diesem glücklichen Zufall zu verdanken hat – er saß einfach auf dem richtigen Stuhl. Müller widerspricht nicht. Er betont aber, dass es nicht nur auf Glück ankommt. Es reicht nicht, Glück zu haben. Entscheidend ist, was wir aus einer glücklich zustande gekommenen Situation machen.

So fiel den Journalisten, die Müller vermehrt zur aktuellen Börsenlage interviewten, auf, dass er eine außergewöhnliche Gabe besaß: Komplizierte wirtschaftliche Zusammenhänge so auf den Punkt zu bringen, dass fast jeder sie versteht. Bekannt geworden ist er also durch die Titelseiten der Zeitungen, bekannt geblieben ist er durch rhetorisches Geschick und den für ihn typischen kritischen Blick hinter die Kulissen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Worauf es wirklich ankam

„Es gibt da noch etwas“, merkt Müller mit ruhiger Stimme an und erzählt davon, dass früher nicht nur er, sondern auch seine Arbeitskollegen fotografiert wurden. Er habe sich nicht in den Vordergrund gespielt, nur hätten die Kollegen zum Teil ungeduldig und unfreundlich auf die Journalisten reagiert. Im schlimmsten Fall fielen abfällige Kommentare, wenn die Fotografen versuchten, noch ein passendes Bild kurz vor Redaktionsschluss aufzunehmen. „Ich habe schon immer versucht, jeden Menschen gleich zu behandeln. Ob Putzfrau oder Generaldirektor. Die Fotografen wollten nur ihren Job machen. So wie wir auch.“ Kein Wunder also, dass sich die Journalisten eher dem freundlichen und respektvollen Börsenmakler zuwendeten, als einem grummelnden und sich zu Höherem berufenen Kollegen.

Es gab einige Personen, die das Glück hatten, direkt unter der Börsentafel zu sitzen. Aber es gab nur eine, für die es selbstverständlich war, freundlich und hilfsbereit zu ihren Mitmenschen zu sein. Damals hatte Dirk Müller keinen blassen Schimmer, inwiefern diese Haltung gegenüber anderen den Verlauf seiner Vita als Börsenexperte beeinflussen sollte. Heute weiß der Mr. DAX: Wer seinen Mitmenschen verständnisvoll, zuvorkommend und respektvoll begegnet, wird eher die Chance bekommen, Glück zu haben. Und das ist keine plumpe Rhetorik, sondern einfach die Wahrheit.

Zum passenden Ausschnitt des Gesprächs:

Zur ganzen Video-Podcastfolge:

Dr. Aaron Brückner