In was für einer Welt leben wir eigentlich??

13.02.2019  • Blog • 

„Nimm deine Podcast-Folgen doch mal für YouTube auf.“ Das hörte ich immer häufiger. Mein „Versuchskaninchen“ war Dirk Müller und das Ergebnis war ein spannendes Gespräch über seinen Werdegang. Aber die Welt, die sich mir auf YouTube auftat, ist der Grund, warum ich diese Zeilen schreibe...

Erst einmal durchatmen. Kurz zum Kontext. Zum Ende des Jahres hörte ich immer häufiger: „Aaron, nimm deine Podcast-Folgen doch mal für YouTube auf.“ Das ist zwar leichter gesagt als getan, aber ich habe das Experiment gewagt. Mein „Versuchskaninchen“ war glücklicherweise Dirk Müller alias Mr. DAX – ein Profi. Wie zu erwarten, war das Ergebnis ein spannendes Gespräch über Neugier, Geostrategie und die Börse – hörens- und erstmalig auch sehenswert.

Soweit so gut. Ich würde mich durchaus als Social-Media-affinen Menschen bezeichnen. Ich pflege zwei Instagram Accounts, fühle mich auf LinkedIn wohl und Facebook – nun gut, Facebook ist halt Facebook. YouTube ist für mich dagegen Neuland. Das hat mich aber nicht davon abgehalten, das Gespräch mit Dirk Müller in voller Länger hochzuladen und die besonders spannenden oder kontroversen Stellen als separate und damit deutlich kürzere Videos zur Verfügung zu stellen.

Was dann passiert ist

Nach jetzt 10 Tagen wurde das ganze Gespräch über 15.000 Mal angeklickt – das freut mich natürlich. Dirk Müllers Einschätzung, ob es sich lohnt, in ETFs zu investieren und was er von dem Kauf eines Eigenheims hält, ziehen mit (>18.000 Klicks respektive >33.000 Klicks) spürbar davon. Aber ein Video sticht besonders hervor: In einem 9-minütigen Video äußert sich Dirk Müller zu dem Vorwurf, er verbreite Verschwörungstheorien und spricht in diesem Zusammenhang unaufgeregt über die Art und Weise, wie er mit diesem Begriff mittlerweile umgeht. Über 72.000 Mal wurde das Video bis dato gesehen, über 2.000 Mal geliked und über 400 Mal kommentiert. Die Welt, die sich mir im Zuge dieser Kommentare auftat, ist der Grund, warum ich diese Zeilen schreibe.

Wie ich mich als Gastgeber verstehe

Als Inhaber des YouTube-Kanals verstehe ich mich als Gastgeber. Ich lese die Kommentare und antworte in fast allen Fällen. Ich bleibe höflich, bedanke mich für sachliche Einschätzungen oder stelle Rückfragen, wenn ich meine, etwas nicht ganz verstanden zu haben. Ansichten, die ich nicht teile, akzeptiere ich, aber auf plumpe Anschuldigungen zu reagieren, fällt mir schwer – hasserfüllte Kommentare, die sich gegen alles richten, was nicht bei drei auf dem Baum ist, werden gelöscht. Ich weiß nicht, ob „man“ das bei YouTube so macht – ich betrachte es als Experiment.

Ein paar Beispiele gefällig?

(da die Kommentare ohnehin auf YouTube öffentlich zugänglich sind, habe ich mich dazu entschieden, diese hier ohne Anonymisierung darzustellen)

Im Folgenden das Ende einer geschmackvollen Diskussion über … ich weiß es nicht mehr. Über irgendetwas mit China, was natürlich nichts mehr mit dem Thema des Videos zu tun hatte – die Diskussion hatte sich schon lange verselbstständigt. Ich wollte nicht weiter folgen…

An einer anderen Stelle missfällt es einem User, dass ich – wie bei vielen anderen Gesprächspartnern – Dirk Müller eine kritische Rezension vorlese, um herauszufinden, wie eine Person in der Öffentlichkeit mit öffentlicher Kritik umgeht.

Wenn Kurt nur wüsste, wie unbegabt ich handwerklich bin. Spätestens wenn ich mit Wasserwaage und Maurerkelle bei ihm vor der Tür stünde, würde ihm schnell klar werden, dass ich eine andere Tätigkeit an der frischen Luft bräuchte.

Kommen wir zu meinem Favoriten. Zu meinem persönlichen Highlight. Zu dem Kommentar, der mich sprachlos machte und mich ernsthaft an der Menschheit zweifeln ließ.

Halten wir kurz fest: Ich lade erstmalig unter meinem Namen Videos bei YouTube hoch. Die Person findet ein Video, schaut es sich an und kommentiert. Ihrer Einschätzung nach scheint mit der EU etwas nicht in Ordnung zu sein. Zusätzlich vermutet die Person zu allem Überfluss auch noch eine Verschwörung. Ich soll ein von einer Partei finanzierter Sender sein, der manipuliert? Ach was!

Auf meine Sprachlosigkeit folgte heiteres Gelächter. So langsam verstehe ich, warum wir nie auf dem Mond gewesen sind, warum uns Chemtrails vergiften und die Erde eine Scheibe ist. Leider folgte auf mein Gelächter schnell Betroffenheit. In was für einer Welt leben wir eigentlich? Wie viel Frust, Misstrauen und Hass gibt es eigentlich da draußen? Und viel wichtiger: Was können wir dagegen unternehmen?

Zum Abschluss verweise ich deshalb gerne auf eine weitere Passage aus meinem Gespräch mit Dirk Müller. Unabhängig davon, wie jemand zu seinen inhaltlichen Positionen steht, können wir hier lernen, was wir als Einzelne bewirken können. Er berichtet auch davon, was er als Letztes von seinem Vater gelernt hat – wenn wir alle unser Leben danach ausrichten würden, wäre die Welt, in der wir leben, eine bessere…

Was meinst du:

Woher kommt der Frust, das Misstrauen und der Hass? Bist du auf YouTube aktiv? Was sind deine Erfahrungen? Was hältst du von meiner „Gastgeber-Strategie”? Oder besser alles ignorieren? Ich bedanke mich vorab für deine sachliche Einschätzung via E-Mail, Instagram oder LinkedIn 😉

 


Zum ganzen Gespräch auf YouTube:

 

 

 

Dr. Aaron Brückner