Diese 6 Fragen stelle ich mir jedes Jahr an Silvester

Mittlerweile ziehe ich mich fast jedes Jahr an Silvester in die Schweizer Berge zurück, um das vergangene Jahr zu reflektieren und mich auf das neue Jahr einzustimmen. Die folgenden 6 Fragen helfen mir, konstruktiv zurückzublicken und zuversichtlich vorauszuschauen...

Ich sitze am Wohnzimmertisch und der Weißwein hat genau die richtige Temperatur – im Winter ist hier der Balkon der beste Kühlschank. Während Spotify meine Lieblingssongs aus dem vergangenen Jahr spielt, genieße ich den Blick aus dem Fenster. Was für ein Panorama! Es gibt manche Aussichten, von denen ich nicht satt werde. Sand und Sonnenuntergang am Meer ist eine – Braai und die Weite des südafrikanischen Buschs eine andere. Aber eine ganz besondere Aussicht bietet der Blick aus diesem Fenster.

Ich befinde mich im Berner Oberland. In der Schweiz. Ob Bergkäse oder Bergtour, der Blick über den Brienzer See im Berner Oberland hat seit meiner Kindheit einen festen Platz in meinem Herzen. Mittlerweile komme ich fast jedes Silvester her, um das vergangene Jahr zu reflektieren und mich auf das neue Jahr einzustimmen. Natürlich hat das Ganze Struktur, denn meine Berater-DNA macht auch vor Alpenpanorama und frischer Bergluft keinen Halt. Die folgenden 6 Fragen helfen mir, konstruktiv zurückzublicken und zuversichtlich vorauszuschauen.

Blick zurück

1. Was waren die Hoch- und Tiefpunkte der vergangenen 12 Monate?

Diese Frage geht direkt in medias res und ist essentiell, um nicht vorschnellen Vorsätzen für das neue Jahr zu verfallen. Hier gehe ich meinen kompletten Kalender durch. Monat für Monat. Termin für Termin. Die Basis dieses „Brainstormings“ bildet ein leeres Blatt Papier, das ich mit einem Strich in der Mitte unterteile. Über der Trennlinie notiere ich alles Positive und unter dem Strich alles Negative.

Ruhe, abgeschaltetes Internet, ein Glas Wein und der Blick nach draußen sind für mich die richtigen Bedingungen, um diese erste Frage ausführlich zu beantworten. Es gibt keine falschen Antworten. Ich notiere sowohl Kleinigkeiten als auch „Großigkeiten“ – einfach alles, was mir einfällt. Wenn ich genau hinschaue, kann ich schon erste Muster erkennen. Und wenn ich ehrlich bin, kann ich schon erste Schlüsse ziehen: Was hat dieses Jahr mit mir gemacht? Was habe ich gelernt? Was hat gut funktioniert? Was ist schiefgelaufen?

⏰ 2 bis 4 h (die Zeitangaben sind lediglich meine persönlichen Erfahrungswerte und dienen der groben Orientierung)

2. Wofür kann ich besonders dankbar sein?

„Nicht die Glücklichen sind dankbar.
Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“

Was der britische Maler Francis Bacon schon Anfang des 20. Jahrhunderts wusste, belegen uns heute wissenschaftliche Studien. Also: Beim Durchwühlen meiner Schatzkammer an Erfahrungen aus dem Jahr 2019 lege ich Wert auf Ereignisse, Menschen und Herausforderungen, für die ich besonders dankbar sein kann.

⏰ 15 bis 30 min

3. Wie lautet mein Fazit aus dem vergangenen Jahr?

Etwas Spielerei muss sein. Mir hilft es, wenn ich das vergangene Jahr in einem Fazit zusammenfasse. Eine Überschrift, ein Motto oder ein knackiges Statement für die letzten 12 Monate zu finden, gibt mir Klarheit. Und wenn ich etwas klar sehe, fällt es mir leichter, damit im Reinen zu sein und es hinter mir zu lassen.

⏰ ca. 15 min

Blick nach vorn

4. Was müsste 2020 passieren, dass ich in genau einem Jahr sage: „Was war das bitte für ein großartiges Jahr?!“

Manche Menschen schmieden bewusst Pläne. Andere bewusst nicht. Manche Menschen setzen sich hohe Ziele. Andere niedrige. Ich habe keine Ahnung, was „richtig“ ist. Ich habe nur eine Ahnung, was für mich funktioniert: Pläne nehmen meinem Leben nicht die Überraschung, sondern bereiten mich auf die Überraschungen meines Lebens vor.

Wenn ich mir in Ruhe ausmale, wie ein großartiges Jahr 2020 aussehen würde, entstehen Bilder, Ideen und Träume. Mit diesen Zielfotos arbeite ich. Ich frage mich: Was will, kann und muss ich tun, um das zu erreichen? Ich visualisiere die für mich relevanten Meilensteine und breche große Träume in kleine Ziele herunter. Ich gebe zu, dass mich hier meine Vergangenheit einholt, denn ich komme aus dem Radsport. Ich kann nicht einfach durch die Gegend eiern, ich brauche eine Ziellinie.

⏰ 1 bis 2 h

5. Wofür sollte ich im nächsten Jahr mehr Zeit einräumen?

So wie ich beim Blick zurück besonderen Wert auf Dankbarkeit lege, konzentriere ich mich hier auf die Themen, Projekte und Menschen, die mir guttun. Also: Gibt es eine Freundschaft, an der ich arbeiten möchte? Gibt es eine Fortbildung, die ich buchen sollte? Gibt es ein Projekt, in das ich meine Zeit investieren will?

⏰ 15 bis 30 min

6. Was kommt endlich auf meine To-Don´t-Liste?

Das Pendant ist selbsterklärend. Einmal fiel mir auf, wie viel Lebenszeit ich verliere, wenn ich mit meinem Auto ständig 30 bis 45 Minuten genervt durch den Düsseldorfer Stadtverkehr fahre, nur um Sport zu machen. Mittlerweile gehe ich 10 Minuten zu Fuß ins Fitnessstudio – eine der besten Entscheidungen des letzten Jahres.

⏰ 15 bis 30 min

Willst du gute Antworten, brauchst du gute Fragen. Willst du ein gutes Leben, brauchst du einen guten Kompass. Vielleicht helfen diese 6 Fragen auch dir dabei, nicht im Autopiloten durchs Leben zu fliegen. In diesem Sinne: Frohes neues Jahr! 🙂🥂

Dr. Aaron Brückner