1 Jahr Podcast: 3 Erkenntnisse aus 78 Episoden

„Ich veröffentliche jede Woche eine Folge - 1 Jahr lang – 52 Folgen, komme was wolle.“ Dieses Versprechen habe ich mir selbst abgenommen, bevor ich am 14. Juli 2018 meine erste Podcast-Folge veröffentlichte. Aus 52 Folgen wurden 78 – meinen 1. Gepodstag nehme ich als Anlass, um zurückzublicken...

1. Ist der Kunde wirklich König?

Früher oder später lernt der brave Businessstudent, dass es wichtig sei, die Kunden nach ihren Bedürfnissen zu befragen. Je besser wir mit diesen vertraut sind, desto stärker können wir sie bei unserem Angebot berücksichtigen. Mein Problem ist, dass ich damit ein Problem habe – wie ich darauf komme?

Beispielsweise stellt im Intro jeder Folge ein Sprecher den Podcast bei begleitender Musik kurz vor. Das Feedback teilt sich in zwei gleich große Lager: „Wer ist diese Stimme da am Anfang? Das klingt ja schlimm!“ oder „Aaron, richtig coole Stimme am Anfang! Wer ist das?“. Ähnlich unterschiedlich können die Rückmeldungen zu ein und derselben Folge sein: „Also dem XY konnte ich kaum zuhören – ich mag seine Stimme nicht.“ oder „Richtig guter Gast der XY – total inspirierend!“ Gleiches gilt für die Länge meiner Gespräche: „Also die Gespräche sind schon sehr lang – etwas kürzer würde mir besser gefallen.“ oder „Ich habe das Gefühl, dass ich die Person nach dem Gespräch kenne – die Länge ist gut, denn ich muss eine Folge ja auch nicht an einem Stück anhören.“

Und nun? Auf welchen „Kunden“ höre ich denn jetzt?

Ich habe mich dazu entschieden, meinen Podcast so zu produzieren, wie ich ihn mir selbst anhören würde. Ich bin also nicht nur der 1. Zuhörer, sondern auch mein 1. „Kunde“. Die zahlreichen Feedbacks, die teilweise diametral auseinander gehen, nehme ich mit Freude aber gelassen zur Kenntnis. Ich kann es nicht jedem recht machen – ist das naiv? Auch darüber gehen die Meinungen wohl auseinander.

2. Bin ich wirklich multitaskingfähig?

Während eines Gesprächs übe ich mich in einer Fähigkeit, die Männern nicht zugeschrieben wird: Multitasking! Ich stelle eine Frage und konzentriere mich auf die Antwort – zuhören ist die Voraussetzung für ein gutes Gespräch. Gleichzeitig behalte ich aber den roten Faden des Gesprächs vor Augen und beginne, eine Überleitung zum nächsten Thema gedanklich zu bauen. Währenddessen bemühe ich mich, Blickkontakt zu halten, schaue aber regelmäßig auf meinen Audio-Recorder, um die Qualität der Aufnahme zu überprüfen. Plötzlich fällt mir wieder ein, dass ich zuhören wollte – welche Frage habe ich meinem Gesprächspartner noch gleich gestellt?

Multitasking hin oder her – ich glaube, dass mich rund 80 Gespräche zu einem besseren Zuhörer gemacht haben. Bewusst geworden ist mir, dass es eine Kunst ist, gute Fragen zu stellen. Um diese Fähigkeit zu trainieren, höre ich mir gezielt Interviewformate an, die von guten Fragen leben. Wer die Qualität seiner Fragen verbessern möchte, dem empfehle ich Larry King, Tim Ferriss, Cal Fussman oder Joe Rogan zuzuhören.

3. Lohnt sich wirklich dieser ganze Aufwand?

95% meiner Gespräche führe ich persönlich. Zur Vorbereitung versuche ich so viele Inhalte wie möglich meines Gastes zu konsumieren, um ein Gefühl für den Menschen zu bekommen – ich lese veröffentlichte Bücher, schaue Videos und höre Podcasts. Meine Hypothese: Je besser ich die Person kenne, desto tiefgehender wird das Gespräch. In die Nachbereitung investiere ich Sorgfalt, damit der Zuhörer ein angenehmes Audioerlebnis geboten bekommt. Mit anderen Worten: Es ist sauviel Arbeit.

Aber vor einem Jahr wusste ich noch nicht, wie es sich anfühlt, die gefrorenen Leichen am Everest zu passieren (#5 mit Helga Hengge), wie eine 50-jährige Ehe mit Viktor Frankl gewesen ist (#65 mit Eleonore Frankl), was der Mr. DAX über Verschwörungstheorien denkt (# 37 mit Dirk Müller), was das Problem von Universitäten ist (#12 Prof. Priddat), wie ich zu mehr Gelassenheit finde (#19 mit Frank Behrendt), was mich an Netzwerkveranstaltungen schon immer gestört hat (#29 mit Tijen Onaran), warum wir gute Bildung nicht messen können (#13 mit Manuel Dolderer), inwiefern Modeln auf eine Unternehmerlaufbahn vorbereitet (#44 Tobias Jost), wie ich eine gute Geschichte erzähle (#50 Veit Etzold) oder wie sich Wissenschaft und Glaube vertragen (#36 mit Johannes Hartl).

Ob sich der ganze Aufwand lohnt? Meine Antwort finde ich in einer Frage, die ich mir im vergangenen Jahr häufig gestellt habe: Warum habe ich nicht schon viel früher damit angefangen, herauszufinden, was Andersmacher anders machen?

 


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Dr. Aaron Brückner