Was wir über die wertvollste Ressource unseres Lebens nicht wissen

04.04.2018  • Blog • 

Wir sind einfach gestrickt. Wir blicken immer zu den Menschen auf, die irgendetwas von dem besitzen, von dem wir zu wenig haben. Wir sind neidisch auf Geld, Autos, Ansehen und sonstige Errungenschaften. Dabei vergessen wir, was das Wertvollste in unserem Leben ist.

Was ist das Wertvollste in deinem Leben?

Es gibt wenige Menschen, die diese Frage mit materiellen Dingen wie Goldbarren, Kryptogeld oder einem Fuhrpark beantworten. Wir wissen um deren Vergänglichkeit. Normalerweise wird der Wert von Freunden, der Familie, des Glaubens oder der Gesundheit hervorgehoben. Obwohl dies nachvollziehbar ist, steht das wertvollste Gut unseres Lebens vor lauter Selbstverständlichkeit im Abseits: unsere Zeit.

Jeder von uns verfügt täglich über 24 Stunden. Es gibt keinen Menschen, der mehr Zeit als alle anderen hat. Wer morgen seinen letzten Atemzug nimmt, wird seinen Fuhrpark oder seine Freunde nicht mehr genießen können und was bringt schon die Familie, wenn wir keine Zeit miteinander verbringen. Wenn Zeit unser kostbarstes Gut ist, sind wir tatsächlich alle gleich „reich“. Unser „Reichtum“ unterscheidet sich aber in der Art und Weise, wie wir mit der wertvollsten Ressource unseres Lebens umgehen und womit wir unsere Zeit verbringen.

Was wir von Beratern und Managern lernen können

In den Wirtschaftswissenschaften existiert das Managementkonzept der Wertschöpfung. Gemäß dem amerikanischen Ökonomen Michael Porter umfasst die Wertschöpfung eines Unternehmens seine produktiven Tätigkeiten. Eine Tätigkeit ist dann produktiv, wenn sie die verfügbaren Mittel so nutzt, dass der Mehrwert für den Kunden steigt.

Diesen Grundgedanken greift das Tool der „Wertschöpfungskette“ auf. Berater und Manager nutzen diese Technik, um die Gesamtleistung eines Unternehmens aus der Vogelperspektive abzubilden und ein besseres Verständnis für die Zusammenhänge von Abteilungen und Funktionen zu gewinnen. Mit anderen Worten: Sie untersuchen, wie das Unternehmen seine Zeit verbringt.

Deswegen lässt sich mit dem Managementkonzept der Wertschöpfung auch in unserem Leben experimentieren: Die Wertschöpfung unseres Lebens umfasst unsere produktiven Tätigkeiten. Eine Tätigkeit ist dann produktiv, wenn wir unsere verfügbaren Ressourcen so nutzen, dass die Qualität unseres Lebens steigt.

Welche Fragen uns zu uns Selbst führen

Obwohl es Muster für ein qualitativ hochwertiges, also glückliches Leben gibt (z.B. Gesundheit durch körperliche Bewegung), verfügt jeder von uns über individuelle Interessen und Passionen, die schließlich die Qualität unseres Lebens bestimmen. Es gibt keine Schablone. Wo der eine sich gerne zurückzieht, um zuhause Bücher zu lesen, bricht ein anderer gerne zu Abenteuern an abgelegenen Orten dieser Welt auf. Wer von beiden ist schon glücklicher?!

Entscheidend ist, zu wissen, ob mich Abenteuer oder Bücher glücklich machen. Dies setzt Selbstkenntnis und diese wiederum den selbstkritischen Blick auf die aktuelle Wertschöpfung meines Lebens voraus. Ein Unternehmensberater würde sich drei Fragen stellen:

  1. Womit verbringe ich meine Zeit? (Diagnose des Status quo)
  2. Wann bin ich produktiv? Also, wann tue ich etwas, das mir wirklich wichtig ist und die Qualität meines Lebens steigert? (Analyse)
  3. Welche Tätigkeiten kann ich ausbauen / reduzieren? (Umsetzung)

Was ich daraus gelernt habe

Vor einigen Jahren war ich neugierig. Ich unterteilte mein Leben in 15 Bereiche (Karriere, Perspektive, Performance, Selbstentwicklung, Fitness, Schlafen, Freunde, Spiritualität, Liebe, Finanzen, Gesundheit, Hobbies, Entertainment, Familie und Zeitvertreib) und begann, meine „Produktivität“ zu untersuchen. Ich stellte fest, dass „Feiern gehen“ die Qualität meines Lebens nicht steigert und ging nicht mehr aus. Ich fand heraus, dass mich die Abhängigkeit von Finanzprodukten meiner Bank störte und bildete mich weiter, um mein Geld eigenverantwortlich zu investieren. Ich lernte, dass meine kreative Ausdrucksform das Schreiben ist und intensivierte meine Bemühungen, um noch mehr über die Themen zu schreiben, die mich innerlich nicht loslassen. Zum Beispiel darüber, wie jeder von uns ein besseres Leben führen kann, indem er sich der wertvollsten ihm zur Verfügung stehenden Ressource bewusst wird.


„Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.“
Seneca

Dr. Aaron Brückner